“Sich fügen heißt lügen”

Vor 80 Jahren wurde Erich Mühsam im KZ Oranienburg ermordet

Eine Mahnwache von Andreas Schlegel (DKP-Oldenburg)

Erich Mühsam war ein vielseitiger Mensch, der seine Spuren nachhaltig in der Literatur, Kunst und Politik der frühen Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts hinterlassen hat. Als Sohn jüdischer Eltern am 6. April 1878 in Berlin geboren, wächst Erich Mühsam in Lübeck auf, wo er bereits während seiner Schulzeit wegen „sozialistischer Umtriebe“ auffällig wird. Nach Abschluß einer Apothekerlehre kehrt er 1901 als freier Schriftsteller nach Berlin zurück und schließt sich dort über die Freundschaft mit Gustav Landauer der kommunistisch-anarchistischen Bewegung an.

Gedenktafel, Erich Mühsam, Dörchläuchtingstraße 50, Berlin-Britz, Deutschland
Gedenktafel, Erich Mühsam, Dörchläuchtingstraße 50, Berlin-Britz, Deutschland

In der Folgezeit entwickelt sich Mühsam zum namhaften Vertreter des „literarischen Anarchismus“. Seinen Schriften, publiziert in den Zeitschriften Simplicissimus, Gesellschaft und Aktion, kritisieren vehement die bürgerlich-staatliche Normen und Zwänge und betonen stets seine Verbundenheit mit den sozial Benachteiligten. Zudem wendet er sich in Zeitungsartikeln gegen bürgerliche Tendenzen in der Sozialdemokratie und setzt stattdessen auf eine revolutionäre Umwälzung der Gesellschaft durch die untersten sozialen Schichten. Berühmt wurde sein 1907 veröffentlichtes Spottlied „Der Revoluzzer. Der Deutschen Sozialdemokratie gewidmet“.

In der Rückschau gilt Erich Mühsam heute vielen als Revolutionär, Anarchist, Syndikalist, Antimilitarist und Antifaschist, was letztlich seine facettenreiche Persönlichkeit spiegelt. Er kämpfte aber auch mit der Arbeiterbewegung in der Novemberrevolution 1918, war Mitbegründer der Münchner Räterepublik 1919 und litt, wie viele Literaten seiner Zeit, stets unter chronischem Geldmangel. All das hinderte ihn aber nicht, sich nach den konterrevolutionären Umbrüchen als Autor und Aktivist mit unterschiedlich starker Bindung zur KPD in das gesellschaftliche Leben der Weimarer Republik einzumischen. Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten 1933 ist Erich Mühsam den Faschisten sofort ein Dorn im Auge. Bereits am 27. Februar, dem Tag des Reichstagsbrands in Berlin, wird er von Hitlers SA verhaftet, in das Gefängnis Lehrter Straße gebracht und ohne Verurteilung schließlich am 10. Juli 1934 im KZ Oranienburg von SS-Schergen ermordet.

“Sich fügen heißt lügen” bedeutete für Erich Mühsam in erster Linie, für eine herrschaftsfreie Gesellschaft einzutreten. In Staat, Kapitalismus, Militarismus und Klassengesellschaft fand er Angriffspunkte, um gegen Unterdrückungsmechanismen vorzugehen. Der revolutionäre Kampf sollte dabei nie nur für die Menschen, sondern immer mit den Menschen geführt werden, denn Befreiung verstand er immer auch als Leben und nicht nur als Politik.

Vor diesem Hintergrund ist es mir ein besonderes Anliegen auf die Kulturveranstaltung der DKP-Oldenburg – 100 Jahre im Bann der Gewalt! Von Sarajewo 1914 ins Donbass 2014 – am 24. Juli 2014 im „Litfaß“ hinzuweisen. Dort hat man Gelegenheit Erich Mühsam im Rahmen einer Lesung aus seinen Tagebüchern der Weltkriegszeit zwischen 1914 und 1916 näher kennen zu lernen.