KLASSENMACHT DURCH ARBEITERSOLIDARITÄT!

Eine Wortmeldung von Andreas Schlegel (DKP Oldenburg)

„Die Brüderlichkeit der Völker ist für die Sache der Arbeiter dringend notwendig. Denn jedes Mal, wenn wir den Versuch unternehmen, unsere soziale Lage zu verbessern, indem wir die Stunden der Plackerei reduzieren oder den Preis der Arbeit erhöhen, drohen die Unternehmer uns an, Franzosen, Deutsche, Belgier oder andere herüberzuholen, damit wir unsere Arbeit für geringeren Lohn verrichten. Leider wurde diese Drohung auch bereits wahr gemacht. Das heißt nicht, dass unsere Brüder vom Kontinent uns schaden wollen, sondern dass es an regelmäßiger und systematischer Kommunikation zwischen den arbeitenden Klassen aller Länder mangelt. Wir hoffen, diesen Mangel schnell behoben zu sehen, denn unsere Bestrebung ist es, die Löhne der schlecht bezahlten Arbeiter denjenigen der besser entlohnten so weit als möglich anzugleichen, anstatt es den Unternehmern zu erlauben, uns gegeneinander auszuspielen.“ (Grußadresse einer Einladung zu einem Treffen von englischen an französische Arbeiter von 1863)

Diese Solidaritätsbekundung erinnert uns heute an zweierlei: Zum Einen zeigt sie bereits zu Beginn der kapitalistisch organisierten industriellen Revolution die dringliche Erkenntnis einer internationalen Solidarität der Arbeiterklasse und zum Anderen in fataler Weise, wie schwierig und weitgehend unerfüllt diese Aufgabe bis in die Gegenwart geblieben ist. Dabei wäre sie heute wichtiger denn je! – im Lichte von europaweitem Sozialabbau und zunehmender Verelendung ganzer Bevölkerungsschichten durch Lohndumping, Arbeitslosigkeit und von außen verordneter Spardiktate für einige EU-Staaten zu Lasten der Arbeiterklasse wie in Griechenland, Portugal, Spanien oder Irland und gleichzeitig laufender Profitmaximierung der so gesicherten Konzerne und Banken ungeachtet der herrschenden kapitalistischen Systemkrise.

Die international agierenden und vernetzten Konzerne, Trusts und Banken sind Triebkraft und Garantie für die Abläufe in der monopolkapitalistischen, neoliberal und weitgehend undemokratisch durchorganisierten Weltwirtschaft von heute. Ihre Produktions- und Produktentscheidungen wirken sich auf alle gesellschaftlichen Bereiche aus. Sie bestimmen die Möglichkeiten unserer Konsumtion und die Art und Weise, wie wir arbeiten und Leben. Staaten und Regionen konkurrieren um ihre Ansiedlungen im Namen möglicher Arbeitsplätze, um Subventionen, billiges Land, ausgebildete Beschäftigte‚ billige oder gar kostenlose Infrastruktur und generell verbesserte Profitmöglichkeiten. Das ist die eine Seite.

Diese Form des Wirtschaftens beinhaltet aber auch verschärfter Wettbewerb und Konkurrenz für die Akteure des Kapitals mit unmittelbaren Folgen für die Arbeiterklasse durch verschärfte Ausbeutung, Standorterpressung unter Preisgabe von zuvor erkämpften sozialen Errungenschaften und kontinuierlicher Druck zur Veränderung von Produktion, Arbeitsorganisation und Arbeitsbedingungen. Das ist die tägliche Realität der Arbeiterklasse. Die internationale Solidarität der Arbeiterklasse ist vor diesem Hintergrund dringend notwendig, um sich nicht, wie oben zitiert, gegenseitig ausspielen zu lassen. Für den Aufbau einer starken Klassengegenmacht zum Kapital gilt es dem Druck gemeinsam standzuhalten und über Auswirkungen der Produktionsorganisation auf Beschäftigte, Interessenvertretungen und Gesellschaft sowie die Erfahrungen des Widerstands, der Strategien und Taktiken voneinander zu lernen. Es wird Zeit für internationale Solidarität!

Varel, den 15.05.2014