Unser Genosse Peter ist tot

Vergangene Woche fand Hans-Peter Klausch seine letzte Ruhe auf dem Oldenburger Friedhof in Eversten. In engem Familienkreis nahmen seine Geschwister von ihm Abschied. Wir, seine Genossinnen und Genossen aus der Deutschen Kommunistischen Partei Oldenburg, vermissen ihn sehr. Mit seiner ruhigen sachlichen Art und seinem beeindruckenden Wissen, seinem freundlichen Wesen und seinem feinen Humor wird er uns lange in Erinnerung bleiben.

Als ich Peter vor Jahren kennenlernte, kannte meine Lebensgefährtin den Namen Hans-Peter Klausch schon seit vielen Jahren. Als Studentische Hilfskraft in der Stiftung „Topographie des Terrors“ arbeitend, war ihr sein Name lange schon ein Begriff. Seine Bücher gingen nicht nur durch ihre Bibliothekarenhände sondern wurden auch für ihre Arbeiten an der Humboldt Universität studiert. „Der Hans-Peter Klausch?“, hat sie mich gefragt, als ich im Winter 2012 von meiner ersten Mitgliederversammlung in Oldenburg heim kam.

Peter wurde in Wilhelmshaven geboren und verbrachte seine Jugend in der Marinestadt. Zeitlebens ist er mit der Stadt und dessen Geschichte am Jadebusen verbunden geblieben. Manch schräge Anekdote erzählte er mir Neu-Wilhelmshavener, wenn es mal wieder auf einer unserer Mitgliederversammlung um die Stadt am Jadebusen ging. Unvergesslich mir, wie wir lachen mussten, als er die Geschichte über den proletarischen Mut eines KPD/ML`ler in Wilhelmshaven erzählte. Das Pumpwerk sei damals regelmäßig von der Polizei heimgesucht worden und dieser Genosse habe sich in der ersten Reihe wahrhafte Abwehrschlachten mit der Polizei geliefert. Dies, indem er eine Biertonne nach der anderen packte, über seinen Kopf hob und Richtung „Bullen“ schleuderte. „Das war ein Genosse!“ sagte Peter, „der war bei allen beliebt“. Und als dessen Beerdigung war, da war der Trauerzug so groß, da kamen sie alle. Eine richtige Demonstration. Unser Peter war da anders. Über sein Privatleben hielt er sich immer bedeckt und als er krank wurde, da war er plötzlich nicht mehr da.

1973 ist Peter als junger Mann in die DKP eingetreten. Treu geblieben ist er ihr bis zu seinem Tod. Auch die schweren Jahre der Konterrevolution 1989/91 konnten ihn von seiner Ideologie und seiner Partei nicht trennen. Aber auch zu den vielen seiner ehemaligen Genossinnen und Genossen, die einen anderen Weg gingen, manche in die PDS/Linkspartei, hielt er trotz Differenzen Kontakt und weiter Freundschaft. Sein alter Studienkollege und Genosse Uwe Koopmann berichtete uns, dass Peter sich sehr in der noch jungen Carl-von-Ossietzky-Universität engagierte. In der Oldenburger Universität, hatte die DKP damals mehrere Gruppen, orientiert an den Fachbereichen, und eine Betriebsgruppe. Peter sei sehr aktiv in seiner Gruppe und zugleich im MSB Spartakus gewesen. Dazu gehörte für Peter besonders die politisch-ideologische Auseinandersetzung mit dem Klassengegner ebenso wie die „Kleinarbeit“ am Büchertisch. Das Studium des zukünftigen Historikers war immer auch politisch geprägt. Ein besonderes Anliegen sei ihm das Projekt „Frieden und Abrüstung“ gewesen, welches fächerübergreifend angelegt und auf gesellschaftliche Praxis orientiert war. Sein Engagement gepaart mit kritischer Reflexion setzte er auch nach dem Studium fort. Wichtig war ihm dabei, die Arbeit der Partei deutlich werden zu lassen.

Nach seinem Studium war Peter, wie so viele, von den Berufsverboten betroffen. Er entschied sich das Leben eines freischaffenden Historikers zu führen. Nicht immer einfach, das tägliche Brot zu verdienen, hat Peter sich einen bleibenden Namen gemacht. Seine Studien widmete er ganz dem Antifaschismus. Sie sind profunde wissenschaftliche Aufarbeitungen des Hitler-Faschismus und immer auch ein Stück Regionalgeschichte und damit auch seiner Heimatgeschichte. Einer seiner letzten Arbeiten mit dem Titel „NS-Endphasenverbrechen: Das Beispiel der Stadt Oldenburg im April 1945“ ist im Oldenburger Jahrbuch 2015 veröffentlicht.

Peter Klausch mit Uwe Koopmann auf der Demonstration in Groningen im Frebruar 2015
Peter Klausch mit Uwe Koopmann auf der Demonstration in Groningen im Frebruar 2015

Einen seiner letzten „großen Auftritte“ hatte er beim internationalen Treffen der Neuen Kommunistischen Partei Niederlande (NCPN), der Partei der Arbeit Belgien (AvdA), der Kommunistischen Partei Luxemburgs (PCL) und DKP in Groningen vor einem Jahr. Die Demonstration, an der er sich beteiligte, führte durch die Altstadt und fand vehemente Beachtung in den niederländischen Medien.

Nie nach Funktionen schielend, war Peter ein aufrichtiger, bescheidener und bei allen beliebter Genosse. Bis vor ein paar Jahren besuchte er regelmäßig Parteiveteranen und hielt den Kontakt. So sind manche Lebensgeschichten alter KPD und DKP Genossinnen und Genossen von ihm für die Zukunft bewahrt worden. Leider hat seine Geschichte niemand aufgeschrieben.

In Hochachtung für Dich, lieber Peter.

Marc Galwas
für die Deutsche Kommunistische Partei Oldenburg