100 Jahre Matrosenaufstand – Kundgebung in Wilhelmshaven

Am Samstag, den 26. August findet in Wilhelmshaven ein regionaler Aktionstag der DKP statt. Anlass ist der 100. Jahrestag des Matrosenaufstandes.

Aufruf
100 Jahre Ermordung von Max Reichpietsch und Albin Köbis
100 Jahre Gemeinsam gegen Krieg und Imperialismus
26. August 2017 / Wilhelmshaven

„Wir sind die wahren Patrioten. Nieder mit dem Krieg! Wir wollen nicht mehr weiter Krieg führen!“
(Albin Köbis, Heizer auf der „Prinzregent Luitpold““)

Vor 100 Jahren am 25. August 1917 – der I. Weltkrieg ging in sein viertes Jahr – fällte das Marine-Kriegsgericht in Wilhelmshaven das Todesurteil über Max Reichpietsch, Albin Köbis, Hans Becker, W. Sachse und W. Weber. Vier Matrosen wurden zu 10-15 Jahren Zuchthaus verurteilt, 50 weitere Matrosen und Heizer erhielten Zuchthausstrafen von insgesamt 400 Jahren. Am 5. September wurde das Todesurteil auf dem Schießplatz Wahn bei Köln gegen den Heizer Reichpietsch und den Obermatrosen Köbis vollstreckt. Mit der Aburteilung von hunderten Marinesoldaten und der Hinrichtung der beiden „Anführer“ erhoffte sich die Kaiserliche Marineführung die dauerhafte Zerschlagung jeglicher Widerstandsregung gegen die Kriegsführung. 100 Jahre nach dem Versuch der Niederstreckung der Antikriegsbewegung in der Kaiserlichen Marine tritt Deutschland wieder als imperiale Großmacht auf. Wogegen sich Reichpietsch und Köbis organisierten, ist heute noch aktuell.

Die gegenwärtige militärische Weltlage erinnert fatal an die Jahre von vor 1914. Wieder diskutiert man über Bedrohungsszenarien und gegnerische Bündniskonstellationen – im Fokus stehen dabei die nationalen Interessen Russlands und Chinas. Deren weltpolitisches Agieren wird grundsätzlich als dem eigenen entgegenstehend und damit als Bedrohung empfunden. Als weitere Begründung für die Militärpolitik der Bundesregierung müssen Flüchtlingsströme und die Bedrohung durch Terrorismus herhalten. Diese sind aber vor allem Produkte der agressiven NATO-Politik und des deutschen Imperialismus – also hausgemacht.

Laut Eigenaussagen der Bundesregierung bestehen die Aufgaben von Bundeswehr und Marine in der Sicherung des freien Warenverkehrs, dem Kampf gegen Piraterie, Terrorismus und im Eingreifen in Regionalkonflikten. Die deutsche Wirtschaft sei als Exportnation angewiesen auf sichere Rohstoffzufuhr und internationale Transportwege. Die Kernaufgabe bleibe dabei jedoch die Fähigkeit zum Kampf gegen gegnerische Streitkräfte.

Wilhelmshaven kommt dabei als größter Marinestützpunkt besondere Bedeutung zu. Hier befindet sich eine von zwei Einsatzflottillen mit insgesamt 15 Fregatten und dazugehörigen Versorgungsschiffen. Seit 2001 ist die deutsche Marine im ständigen Einsatz im Mittelmeer und am Horn von Afrika. Mit dem derzeitigen Aufbau eines 2. Geschwaders in Wilhelmshaven soll eine neue Etappe in der Geschichte der Bundeswehr eingeleitet werden. In der Sprache von Frau von der Leyen heißt dies „Schließung von Fähigkeitslücken“. Die deutsche Marine soll eine der modernsten werden.

Reichpietsch und Köbis erkannten, dass die Führung des Krieges nicht dem Interesse des deutschen Volkes diente – sie erkannten, dass der Krieg nicht der Vaterlandsverteidigung, sondern allein zur Profitmaximierung der Banken und Konzerne geführt wurde. Und sie erkannten, dass der Krieg nur durch die Aktion der arbeitenden Bevölkerung und der Soldaten beendet werden kann. Deshalb erinnert bis heute nichts an die Ermordung der revolutionären Matrosen von 1917.

Für uns heißt an die Ereignisse von damals zu erinnern, aus der Geschichte zu lernen und zu erkennen, dass Militarisierung und Kriegspolitik nie im Interesse der arbeitenden Bevölkerung ist. Im Gegenteil, wir – die arbeitende Klasse – sind, wenn man einen Blick in die Geschichte wagt, immer die Bevölkerungsklasse, welche die Folgen von Krieg am meisten zu spüren bekommt. Jeder traumatisierte Soldat, der aus dem Einsatz zurückkommt, ist ein Opfer der deutschen Großmachtpolitik. Jeder Cent, der in die Rüstung geht, fehlt im Sozialen. Deshalb müssen wir Frieden fordern, denn in letzter Konsequenz kann es nur die arbeitende Bevölkerung sein, die einen konsequenten und dauerhaften Frieden im Interesse der Menschen erkämpfen wird – einen Frieden, dessen Bestehen unabhängig von Profitinteressen ist. Deshalb müssen wir uns als Klasse organisieren!

Wir fordern:

-> Stopp aller Auslandseinsätze und Beschlagnahme der Gewinne aus den Rüstungsexporten!
-> Stopp aller Rüstungsvorhaben und Kürzung der Rüstungsausgaben!
-> Investitionen in Bildung, Gesundheit und sozialen Wohnraum!

Kundgebung am Samstag, den 26.08.2017
13.30 Uhr Rambla

Es sprechen die Bundestagskandidaten der DKP für Niedersachsen:
Achim Bigus, stellvertretender Vorsitzender der DKP Niedersachsen
Björn Schmidt, Sprecher des Arbeitskreises „Frieden“ in der DKP