Hintergrund zur Unabhängigkeitsbewegung in Katalonien

André Scheer veröffentlichte am 23. Oktober in der Tageszeitung junge welt folgenden Artikel, den wir hiermit empfehlen:

Der Feind in Madrid

Die Bewegung für ein unabhängiges Katalonien gibt sich stark und entschlossen. Ein Überblick zur Historie und zu den verschiedenen politischen Akteuren>

Wird Katalonien ein unabhängiger Staat? Die Diskussion um die Zukunft der Region und die Spaniens hat sich in den vergangenen Wochen und Monaten so zugespitzt, dass das Thema die Seiten der internationalen Presse füllt. Auch Leserbriefe an die junge Welt beschäftigten sich damit. Dabei halten sich Kommentare, die sich gegen den »völkischen Nationalismus« der Katalanen aussprechen, die Waage mit solchen, die voller Begeisterung das Entstehen eines neuen Staates begrüßen. Oft wird dabei jedoch auf beiden Seiten deutlich, dass es an Hintergrundwissen über einen Konflikt fehlt, der nicht über Nacht entstanden ist. Die Hintergründe des Strebens nach Selbstbestimmung oder Unabhängigkeit in Katalonien sind vielschichtig, und gerade aus einer linken Perspektive sollte man sich vor vorschnellen Urteilen hüten. weiterlesen

Zum 300. Todestag von Wilhelm Gottfried von Leibniz

Wir veröffentlichen hier zum 300. Todestages von Wilhelm Gottgried von Leibniz einen Text von Hans Heinz Holz (* 26.2.1927 † 11.12.21011)

Der marxistische Philosoph Holz promovierte zu Leibniz und Hegel an der Universität Leibzig unter Erst Bloch. Er ist „Ewiges Mitglied“ der Leibniz Sozietät der Wissenschaften zu Berlin.

Von Leibniz über Hegel zu Marx

von Hand Heinz Holz

In den siebziger Jahren, ich glaube, es war 1876, hat Marx einen Brief an Engels geschrieben, in dem er berichtet, Kugelmann habe ihm beim Abriß des Leibniz-Hauses (das damals offenbar gerade abgerissen wurde) zwei Stücke Tapete aus dem Leibnizschen Arbeitszimmer geschickt, die er dort aus dem Schutt aufgelesen hatte. Marx macht sich dann noch lustig über die dummen Hannoveraner: Wenn sie damit nach London gegangen waren, hatten sie mit diesen Antiquitäten viel Geld machen können, in Hannover sind sie auf den Müll geworfen worden. Kugelmann hat also zwei Stück Tapete mit mythologischen Inhalten, das eine Neptun, das andere Amor und Psyche darstellend, aus diesem Müll herausgelesen und Marx geschickt. Marx hat sie sich eingerahmt und in seinem Arbeitszimmer aufgehangt, schreibt er an Engels und beendet diese kurze Erzahlung mit den Worten »You know my admiration for Leibniz« – Du kennst meine Bewunderung für Leibniz.

Zunächst einmal ein sehr ungewöhnliches Wort, denn Leibniz kommt in den Werken von Marx und Engels eigentlich selten vor – bei Engels schon etwas eher, im Zusammenhang der »Dialektik der Natur« – bei Marx aber nur in den Anfängen. In jenen späten Jahren noch diese Hommage an Leibniz bei Marx zu finden ist eher verwunderlich. Man sollte vielleicht daran erinnern, daß der junge Marx wahrend seiner Studienzeit ein ganzes Heft mit Exzerpten aus der Leibnizschen Philosophie angelegt hat, aus der damals noch gebräuchlichen Dutensschen Ausgabe, obwohl in jener Zeit um 1840 bereits die Erdmannsche Leibniz-Ausgabe in Berlin, wo Marx studierte, erschienen war.

Aber nach der Dutensschen Ausgabe hatte Feuerbach noch sein großes Buch über die Philosophie von Leibniz aufgebaut und die Zitate aus Dutens‘ gewählt. Ich nehme an, daß Marx aus diesem Grund, well er durch Feuerbach auf Leibniz geführt wurde, noch in der älteren Ausgabe studiert hat, und es ist sehr interessant, daß er unter den unzähligen Möglichkeiten, Leibniz zu exzerpieren, aus einem riesigen Oeuvre -auch die Dutenssche Ausgabe war schon sechs dicke Bande stark; inzwischen sind die Leibniz-Werke auf etwa vierzig Bände gediehen und sie sind immer noch nicht fertig herausgegeben nicht etwa jene Schriften rezipierte, von denen man annehmen müßte, daß sie den jungen, politisch interessierten Marx angehen würden, also die Schriften zur Staatsreform, zur Rechtsphilosophie und so weiter, sondern daß er die metaphysischen Schriften von Leibniz exzerpierte. Warum und was das bedeutet, darauf werden wir gleich zurückkommen. „Zum 300. Todestag von Wilhelm Gottfried von Leibniz“ weiterlesen